Meister und Geselle beim Behauen eines Sandsteinblockes.Die Kunst der Steinbearbeitung ist so alt, wie die Menschheit im allgemeinen. Schon in grauer Vorzeit nutzte man den schier unerschöpflichen Rohstoff Stein für mancherlei Zwecke. Vor allem bauten die Völker zu Ehren ihrer Gottheiten die gewaltigsten Bauwerke aus Stein. Hier seien nur erwähnt die Tempelbauten der Assyrer,  der Salomonische Tempel in Jerusalem, die Pyramiden der alten Ägypter, die Tempel der Inkas und die Bauten derTempelruine von Baalbek griechischen und römischen Antike.
Noch heute, Tausende Jahre später, beeindrucken diese steinernen Zeugen der Vergangenheit und versetzen uns sehr technikverwöhnte Zeitgenossen ins Staunen. Hut ab, vor den Leistungen früherer Steinmetzgesellen und Meister.


Ob groß, ob klein - alles Steinmetze In unsere Gegend gelangte der Steinbau  und die damit verbundenen umfangreichen Kenntnisse aus Mathematik und Geometrie durch die römischen Bauhandwerker. Der Nachwuchs bei der ArbeitVor allem waren es Mönche, die das Christentum verbreiteten und an zentralen Punkten ihre Klöster errichteten. Damit begann über mehrere Jahrhunderte hinweg eine Blütezeit des Steinbaues, die berühmte Baumeister und enorme architektonische und künstlerische Leistungen der Steinmetze hervorbrachte. Denken wir dabei nur an die vielen gotischen Kirchen und Dome.


Ein fahrender Geselle spricht um Arbeit vor. In der Hand den Stenz, unterm Arm das Bündel. Die Steinmetze und Bauhandwerker schlossen sich in den sogenannten Bauhütten zusammen und pflegten sehr intensiv alte Traditionen, die wichtige Kenntnisse und schützende Vorschriften zum Inhalt hatten. Wichtige Meilensteine dieser Traditionspflege waren die Ordnungen von Straßburg und Rochlitz aus den Jahren 1459 und 1462. In diesen Ordnungen wurden wichtige rechtliche und für dieDer Meister schlägt seinen Diener mit dem altehrwürdigen Richtscheit frei. Ausbildung und Weitergabe der Steinmetzkunst nötige Regelungen niedergelegt. Kam es zum Verlesen der Ordnung, oder zum Küren eines neuen Meisters, oder zum Einstellen von wandernden Gesellen, oder zum Freischlagen der Diener (Azubis), immer geschahen diese Handlungen sehr feierlich, fast geheimnisvoll. Es fielen Begriffe wie:
  • Rechtschaffen Eck und Kanten,
  • Anschlag,
  • Ansprechen,
  • Zweispitzgruß,
  • Hüttenstuhl,
  • Lossprechen,
  • Auflage,
  • Achtort,
  • die vier Gekrönten,
  • Bernhard,
  • Brütschen,
  • die vierzehn Hauptschlüssel, usw.
Jeder ehrbare Steinmetz hatte sein eigenes Zeichen und wichtige Utensilien wurden in der altehrwürdigen Lade verwahrt.


Jeder will gern Steinmetz sein. Hier werden Glückswürfel aus Sandstein gehauen.In heutiger Zeit sind leider viele der alten Traditionen in Vergessenheit geraten und somit auch Kenntnisse über wichtige Zusammenhänge für gemeinsames Leben und Arbeiten entschwunden.
In einer Zeit, wo scheinbar alles mögliche und unmögliche machbar ist und jede gute Ordnung so nach und nach aufgelöst wird, scheint es uns um so wichtiger, die alten Traditionen wenigstens zu einem kleinen Teil wieder aufleben zu lassen. Seit 1998, dem Jahr der 100-Jahr-Feier der Steinmetzwerkstatt Wagler, haben wir versucht, das Lossprechen der Diener und das Vorsprechen eines wandernden Gesellen nach alter Tradition nachzuahmen. Dies wurde von der Steinmetz- und Steinbildhauerinnung Chemnitz , der wir Obermeister, Landesinnungsmeister und frisch geschlagene Steinmetzgesellen und Gesellin im Schlosshof der Augustusburg neben der altehrwürdigen Lade.als Betrieb mit der Nummer 41 angehören, übernommen und seitdem jedes Jahr recht feierlich zur Aufnahme der neu ausgelernten Azubis auf Schloss Augustusburg zelebrieret. Für alle Anwesenden immer wieder ein besonderen Erlebnis, das auch musikalisch mit alter Musik in alten Gewändern von den Sankt Annen Pfeiffern umrahmt wird.

Übrigens, zu einem Gesellen wird nur der geschlagen, der vorher 3 Jahre gelernt und seine Prüfung theoretisch und praktisch bestanden hat. Zu dieser Ausbildung gehört auch der Besuch der Sächsischen Steinmetzschule in Demitz-Thumitz und des Europäischen Fortbildungszentrums für Steinmetze in Wunsiedel.

Eine gute Möglichkeit den Steinmetzberuf jungen Menschen nahe zu bringen sind sogenannte lebendige Werkstätten im Rahmen von Stadt- und Gemeindefesten.
So waren wir schon öfter mit unseren altehrwürdigen  Werkzeugen und in zünftiger Kleidung auf Handwerkermärkten zu sehen. Ganz besonderen Anklang finden bei Kindern und Jugendlichen unsere Kreativwerkstatt, eine große Haubank mit Steinstücken, Knüpfel und Eisen zur freien Entfaltung künstlerischer Talente. Wenn auch so mancher Schlag daneben geht und am Ende nur Schotter übrig bleibt, das Erlebnis mit eignen Händen am Stein gearbeitet zu haben, bleibt.

Gerne öffnen wir aber auch unsere Mildenauer Werkstatt für Schülergruppen aller Art.
Ob Gymnasiasten, Mittel- oder Grundschüler, allen zeigen wir vor Ort gern, wie der Naturstein verarbeitet wird. Sei es mit modernen Machienen und deren Diamantwerkzeugen oder auch die Bearbeitung mit Hand, wie sie schon die alten Ägypter pflegten.
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